Evangelische Schulen

„Christen müssten mehr für Bildung tun“

Verband evangelischer Bekenntnisschulen sucht ständig Lehrernachwuchs

Von Christof Hüls

Frankfurt. (Januar 2013) Evangelikale Gemeinden vernachlässigen den christlichen Bildungsauftrag. Diesen Eindruck hat der Geschäftsführer des Verbandes evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS), Berthold Meier. Daraus resultiere oft auch eine falsche Einschätzung ihrer Arbeit und immer wieder ein Mangel an geeignetem Lehrernachwuchs, wie der Karlsruher im Gespräch erklärt.

Im Juni 2013 feierte die Freie Christliche Grundschule Lüdenscheid ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Aufführung im großen Kulturhaus der Stadt: Die komplette Schülerschaft stand auf der Bühne und spielte das Musical "Das Geheimnis des Feuerofens". Foto: Christof Hüls

Im Juni 2013 feierte die Freie Christliche Grundschule Lüdenscheid ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Aufführung im großen Kulturhaus der Stadt: Die komplette Schülerschaft stand auf der Bühne und spielte das Musical „Das Geheimnis des Feuerofens“. Foto: Christof Hüls

Nach zwei Todesfällen stellt sich die Geschäftsstelle gerade personell neu auf. Seit Dezember 2013 übernimmt Norman Kronenwett, Informatikkaufmann und Fachkraft für Eventmanagement (Ettlingen), die Öffentlichkeitsarbeit. Das vierköpfige Team soll im Laufe der nächsten Monate nach Karlsruhe umziehen.

Nicht immer fänden sich geeignete Bewerber, die ein Lehramt nicht nur als Job sehen, sondern als „Berufung“ im Dienst für Jesus, so Meier.  Deshalb gibt der VEBS viel Geld aus für Anzeigen in christlichen Zeitschriften und Internet-Portalen. Fünf Messestände stehen bereit für Einsätze auf Messen und Tagungen wie dem Kongress christlicher Führungskräfte.

Der Verband will nicht nur kurzfristig um junge Lehrer werben, sondern gezielt an Schlüsselpersonen heran treten und Netzwerke knüpfen, um ein anderes Bewusstsein zu schaffen. Es gebe vielfach Vorbehalte gegen fromme Schulen. Sie würden als „Treibhaus“ oder „Ghetto“ bezeichnet, so Meier. „Wer so etwas sagt, der war noch nie an einer unserer Schulen.“ Er greift in seinen Werbevorträgen lieber zum Bild eines jungen Apfelbaumes, der in den ersten Jahren Halt an einem Stock brauche. Erst wenn der eigene Stamm stark genug sei, kann er sich gefahrlos dem Sturm des Lebens stellen.

Meier: „Uns fehlen die Denkfabriken“

Die Katholische Kirche habe im Gegensatz zu evangelikalen Christen immer an Bildung als geistlichem und zu den Aufgaben der Kirche gehörendes Anliegen festgehalten. Dabei gehe es nicht nur um theologische Fragen, sondern darum, aus biblischer Sicht Werte für die Lebenswirklichkeit abzuleiten. Letztlich müssten Christen stärker befähigt werden, durch eine biblische Orientierung selbstständig über Gut und Böse, falsch oder richtig zu entscheiden. Meier möchte diesen Bildungsauftrag am liebsten sogar über die Schule hinaus erweitern. „Uns fehlen die Denkfabriken.“

 

Stellen-Informationssystem für Bekenntnisschulen

Der Verband bietet Bewerbern und Schulen ein Stellen-Informationssystem an. In den letzten Monaten vor den Sommerferien tut sich dort erfahrungsgemäß am meisten. Zur Zeit kommen aus den Bekenntnisschulen wenig Klagen über fehlendes Personal, wie eine im Herbst 2013 Umfrage ergab: 17 Träger mit insgesamt über 500 Stellen meldeten damals gerade 9,5 offene Jobs. Das könne sich jedoch innerhalb eines Schuljahres schnell wandeln, warnt ein Direktor vor einem falschen Eindruck. Annette Weirich, Leiterin der Privaten Evangelischen Volksschule Hof (Oberfranken) kann über andere Zeiten berichten: „Not lehrt bekanntlich beten, auch die Not um die Suche nach geeigneten Lehrern.“ Jesus enttäusche nie, habe sie erfahren. Trotz kurzfristiger Absagen anderer Bewerber seien in allerletzter Sekunde noch geeignetere Kandidaten aufgetaucht. Im Katholischen Bayern sind natürlich schwerer geeignete Kandidaten zu finden als im pietistisch geprägten Baden-Württemberg. Der Tenor dort lautet aktuell: „Mehr Bewerber als Stellen.“

Naturwissenschaften als Mangelfach

Trotz weitgehend voller Besetzung in den Kollegien werben Trägervereine, Freundeskreise und Schulleiter um Pädagogen für bestimmte Disziplinen. Als Mangelfächer immer wieder genannt: Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie). „Wir laufen am Limit“, beschreibt es ein Schulleiter. Aber auch mit Sport, Spanisch und Latein, Musik  und Englisch hätten junge Christen nach ihrem Referendariat derzeit Chancen, an evangelischen Bekenntnisschulen unterzukommen. Englisch ist ein Problem, weil immer mehr Bundesländer diese Fremdsprache bereits im ersten Schuljahr einführten – ohne Lehrer dafür ausgebildet zu haben. Jeweils einmal genannt werden die Fächer, Kunst, Deutsch und Mathe. Nur eine christliche Schule wünscht sich Sonderpädagogen – obwohl gerade hier die staatlichen Schulen händeringend Fachkräfte suchen, die sie für den  gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern einsetzen könnten. Bekenntnisschulen fragen neben der Qualifikation auch nach dem Glauben. Alexander Pollhans, Vorstand des Trägervereins in Freiburg, möchte, dass seine Mitarbeiter den Schülern von ihrem Glauben erzählen. Winfried J. Schmidt, Geschäftsführer der Siegener Schulen, wünscht sich „Christen, die Christsein glaubhaft leben und Vorbild sind.“ Prof. Wolfgang Stock, Geschäftsführer der Freien Evangelischen Schulen Berlin, schildert, dass seine Einrichtungen trotz Wachstums keine Kompromisse bei Fachkompetenz oder der geistlichen Einstellung bei Mitarbeitern habe machen müssen.

Von biblischen Werten erzählen

Aber während des laufenden Schuljahres Ersatz für schwangere Lehrerinnen zu finden, das stelle sich als sehr schwer heraus. Deshalb gehe sein Verein jetzt konsequenter auf Gemeinden zu und bitte um Gebet und Werbung. Stock: „Wir haben vielen Christen, die als Lehrer in staatlichen Schulen arbeiten, ein Angebot zu machen: Authentisch zu leben und zu arbeiten, und den Schülern vom eigenen Glauben und den christlichen/ biblischen Werten zu erzählen.“ Denn das sei in Berlin an staatlichen Schule nicht erlaubt.

Christof Hüls

STICHWORT

Christliche Schulen wie hier in Lüdenscheid.

Christliche Schulen wie hier in Lüdenscheid.

Verband evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS)

In dem Verband und dessen befreundeten Umfeld arbeiten 69 Träger mit 169 Schulen an 100 Standorten zusammen  Sie beschäftigen zusammen über 3300 Lehrer – ein riesiges Aufgabengebiet für junge Christen mit Wachstumspotenzial.

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