Bob, der Kindermeister

Bob Horst Rietzscher

Horst „Bob“ Rietzscher: ein alter Hase in Sachen christlicher Jungschararbeit mit jungem Herzen für Kinder. Foto: Christof Hüls

Horst Rietzscher:
Leidenschaft für
die Jüngsten

 

Von Christof Hüls

Lüdenscheid. (2013) Seit 50 Jahren arbeitet Horst Rietzscher in der Gemeinde mit Kindern. Viele Mädchen und Jungen kennen ihn nur als „Bob“. Sein Spitzname hält sich genauso hartnäckig wie seine Leidenschaft für den Gemeindenachwuchs. Christof Hüls besuchte ihn in Lüdenscheid.

Wenn er von Fahrradtouren und Streichen erzählt, vom Zelten und von Jungscharstunden mit Kindern aus sieben Nationen, dann blitzen die Augen und der 67-Jährige gerät in Fahrt.

Als er vor 60 Jahren Kind war, da hätten die „Sonntagsschultanten“ genau das gemacht, was beim Kinderarbeits-Kongress Promiseland („Verheißenes Land“) in Siegen empfohlen wurde. Rietzscher: „Die waren aufgeräumt, immer gut vorbereitet und sie waren einfach eineinhalb Stunden für uns da. Als gäbe es nichts Wichtigeres.“ Das prägte ihn und so wollte er auch einmal sein.

In der Jungschar erlebte er als Kind, wie Mitarbeiter immer neue Ideen entwickeln. Eine davon war, ihn Bob zu nennen. Als Kind bekam er ganz schön viel vom Leben der Leiter und ihren Fehlern mit und wie sie im Glauben damit umgehen. Sein Gruppenchef nahm ihn eines Tages an die Seite und fragte: „Bob, willst Du nicht auch Dein Leben Jesus übergeben?“

Er wollte. Genauso wollte er, als ihn seine Mutter mit 16 Jahren bat, parallel zum Gottesdienst auf die Kinder aufzupassen. Damals wohnte die Familie in Witten. Bald steckte der angehende Elektriker seine ganze Energie in die Jungschar. Nur die Bundeswehr hielt ihn eine Zeit lang von seinem Ehrenamt ab. Er teilte seine Leidenschaft mit Freunden, die er auf Tagungen kennenlernte.

Sie animierten den damals 24-Jährigen, nach Lüdenscheid zu ziehen, um dort mit ihnen eine Jungenschaftsarbeit aufzubauen. Im Sauerland heiratete er später und schenkte drei eigenen Kindern das Leben.

Sein Herz an die Angel gehängt

Er machte sich die Worte von Johannes Busch zu eigen, dem Jugendpfarrer und Bundeswart des CVJM-Westbundes aus Witten: „Wenn Du einen Jungen gewinnen willst, dann musst du dein Herz an die Angel hängen.“ Besonders am Herzen gelegen haben Bob Rietzscher immer die 13- bis 14-jährigen Jungs, die sich oft so verspielt geben und den Mitarbeitern die letzte Kraft aussaugen. Viele Jahre leitete er die Jungenschaft. „Das war eine tolle Zeit.“ In einem Jahr boten sie jeden Monat eine Freizeit an. Auf Fahrradausflügen oder beim strikt Geradeausgehen über Berg und Tal, Wiesen, Zäune und Steilhänge erschöpften sie die Jungs. Am Abend gab es Fleischwurst und Brot und dann übernachteten sie meist einmal im Gemeindehaus. Die längste Radtour führte bis nach Frankreich.

Dass sich nicht alle Kinder später als Erwachsene zur Gemeinde halten, entmutigt den Rentner nicht. „Ich habe zu säen. Was Gott draus macht, ist seine Sache.“

Heute hilft Bob Rietzscher in der Kindergottesdienst-Gruppe der 10- bis 14-Jährigen. Die schwer zu bändigenden Mädchen und Jungs landen immer noch bei ihm. Im Rückblick gibt sich der Rentner sehr zufrieden. „Ich hätte wohl kaum so viel Bewahrung und Führung und Gebetserhörungen erlebt ohne diese Arbeit.“