DomRep pur statt Ai

Vorbei an Hütten und Bananenstauden: Abenteuer Moutainbike-Tour durch die DomRep.

Natur-Erlebnis inklusive

Von Christof Hüls

Die Matratze liegt auf dem nackten Betonboden. Ich habe das einfachste Quartier, aber die beste Aussicht. Nur gelegentlich kreuzen Glühwürmchen den Blick durch die fensterlosen Öffnungen im Turmzimmer der Rancho Cascada. Kilometer entfernt vom nächsten Strommasten strahlt nur das Sternenmeer über den dominikanischen Dschungel. Ungerührt von dieser Unendlichkeit zirpen Grillen und Bremsen an gegen das Rauschen des Gebirgsbaches. Der mündet vor unserer Terrasse in den Rio Nizao und speist nebenbei unseren „Pool“. Das ist „all-inclusive“ beim Öko-Tourismus, der die andere Seite der Dominikanischen Republik aufzeigt: Ein Paradies für Trekker und Biker.

 

Dieser Beitrag ist Ende 2006 in der Reisebeilage der WAZ-Mediengruppe (WAZ, NRZ, WP, WR und IKZ) erschienen. Bitte unbedingt aktualisierte Hinweise am Ende beachten!

Von fünf auf null Sterne in sechseinhalb Stunden

Ein harter Kontrast, von fünf Sternen auf null in sechseinhalb Stunden.
Drei Tage klassisch „all inclusive“ im nagelneuen Bahia Pinciple-Hotel: Auf Samana, im Nordosten des karibischen Ferienparadieses, dem „Auge des Teufels“, wie die Einheimischen sagen. Mit Condor und LTU steuern seit dem 8. November gleich zwei Fluggesellschaften den gerade eröffneten siebten internationalen Flughafen des karibischen Ferienparadieses an. Langsam, sehr langsam füllt sich die Küstenkulisse mit Hotels. Am 15. Dezember öffnen zwei weitere Luxus-Herbergen, eine nimmt gleich zwei Drittel der 1,7 qkm großen Bacardi-Insel ein. Bis zu 700 Dollar können Erholungssuchende dort pro Nacht ausgeben – drei Suiten teilen sich einen Strandabschnitt. Die Tourimus-Manager wollen den Standard steigern. Scheinbar unendlich weit ziehen sich weiße Sandstrände die Küsten entlang, gesäumt von intensiv grünen Palmen. Darüber strunzt der blaue Himmel, davor ein sattes Türkis des Meeres. Das sind die Nationalfarben. Zwischen Januar und März geben sich in der Bucht von
Samana bis zu 3000 Buckelwale ein Stelldichein beim Paarungsspiel – ein einzigartiges Naturschauspiel.

Öko-Tourismus am Busen der Natur statt All-inclusive

Doch uns schwebt anderes vor: Öko-Tourismus, Erholung am Busen der Natur. Fünf Stunden stößt unsere Reisegruppe mit dem Kleinbus ins Landesinnere vor. Der Blick des Fahrers klebt nicht umsonst auf dem grauen Asphalt; immer wieder umfährt er Achsenbrecher-Schlaglöcher. Ein Stück geht es sogar über „Autobahnen“. Die DomRep ist größer als die Schweiz; Mallorca würde dreizehn Mal ins Land passen – auch ohne Hahiti, den westlichen, selbstständigen Teil der Insel. 500 Jahre nach Christoph Columbus lässt sich das Inselreich auch heute noch „entdecken“. Noch bevor sich die schwarze Nacht über uns senkt, treffen wir Rudi Baumer auf seinem Nissan Frontier Geländewagen. Der Österreicher schaltet in den Geländegang und biegt jenseits der Hauptpiste ab auf Sand, Schotter und Lehmpisten Richtung Pico Duarte, den dominicanischen Alpen, den höchsten Bergen der ganzen Karibik.

Dusche unter Quellwasser statt warmer Badewanne

Hier finden Biker und Trekker ihr Paradies, all die Naturburschen, die die morgendliche Dusche unter Quellwasser der Sprudel-Wanne im Hotel vorziehen.

Wildromantisch: eine kalte Dusche unter einem Wasserfall

Wildromantisch: eine kalte Dusche unter einem Wasserfall. Foto: Hüls

Ein Flirt mit der Insel, nicht den schnellen One-Night-Stand von Sosua an der Nordostküste. Auf 2500 Meter hoch arbeiten können sich hier die Mountainbiker. Mittlere bis anspruchsvolle Touren sollten diese Urlauber schon verkraften: Das heißt 50 Kilometer lang 1000 Höhenkilometer überwinden können. Auf Pferden geht es durch Orangenhaine, vorbei an Kakaobäumen und unter Bananenstauden durch zu romantischen Wasserfällen. Badepause gefällig? Dann eine Lehrstunde beim Kaffeebauern?

Es begann vor drei Jahren mit einer Strandbar

Wir ziehen die Anfahrt mit dem Geländewagen von Rudi Baumer vor und satteln zwischendurch um. Vor acht Jahren kam der Österreicher mit Freunden und Illusionen ins karibische Paradies. Seine Freunde eröffneten eine Strandbar. Auch eine Art Abenteuer. Während das der Freunde schon nach einem Jahr im finanziellen Ruin endete, schlug sich Rudi weiter durch. Über Stock und Stein führte er Mountainbiker. Und er suchte ein Stück Land, um seinen eigenen Männertraum zu verwirklichen: eine Ranch.
Seit drei Jahren nun baut der 46-Jährige schon an diesem Traum.
Die vier Zimmer in den Klassen Einfach (Appartement mit Betten samt Moskitonetz) bis Supereinfach (fast wie Zelten) sind praktisch immer belegt. Ein Reisebüro in Deutschland und eine Kette in Österreich wecken genug Entdeckermut in den deutschsprachigen Pedal-Akraboten.

Rancho Cascada (im Hintergrund). Gekocht wird im Freien.

Rancho Cascada (im Hintergrund). Gekocht wird im Freien. Foto: Hüls

Fünf bis zwölf Tage lang, jeweils acht Stunden Bergkraxeln, abends drei Teller Spagetti im Schein der Petroleum-Lampen oder am Lagerfeuer und die Schlafstätte – das ist das Rezept des Auswanderers. Mountainbiker seien unkompliziert, findet Baumer. „Alles inclusive“, das gibt es bei ihm für 75 Euro pro Tag. Das zahlt der Pauschal-Tourist sonst allein für einen Tagesausflug zusätzlich.
Acht Pferde nennt er sein eigen; von Freunden welche dazuzuholen, ist kein Problem. Kanus für eine Ausfahrt auf dem Rio Nizaro vervollständigen den „Fuhrpark“. „Rudi ist der Erste“, bestätigen der Bürgermeister der Bezirksstadt Ocoa und der staatliche Tourismus-Beauftragte der Region. Ein wenig hoffen sie auf eine Vorbildfunktion. Doch dass Deutsche Interesse haben könnten am Aktivurlaub, das hat sich noch nicht herumgesprochen. Dabei böte gerade die Region Ocoa optimale Voraussetzungen.

Noch viel vor – Aufgeschlossene Menschen

Rudi plant noch viel: Eine Wasserturbine soll Strom liefern, die Fundamente für die nächsten beiden Gasthütten liegen bereits. Eine Touristenkarte mit den wichtigsten Biker-Wegen und Sehenswürdigkeiten, ein kleines Museum mit Steinen, die von Ureinwohnern „beschriftet“ wurden. Die liegen noch verpackt in Kisten im Aufenthaltsraum. Und im Januar 2017 startet Rudi sein erstes Rennen, das 1. MTB-Dominican-Race vom 30. Januar bis zum 4. Februar.
Als Rudi Baumer vor acht Jahren in die DomRep kam, konnte er kein Wort Spanisch. Heute braucht er das Lexikon eigentlich nicht mehr. Je kleiner die Dörfer, desto aufgeschlossener seien die Menschen, hat Rudi festgestellt. Schnell öffnet sich eine Tür in die Einzimmer-Wohnungen, wo die Eltern mit heute „nur“ noch im Schnitt drei Kindern leben.

 

Links:

Rancho Cascada (nicht mehr online)

Leider auch schlechte Erfahrungen, wie Reisende auf Tripadvisor-Berichte über Rudi Baumer berichten!

Acht Tipps:
– Der Staat kassiert am Flughafen Einreisegebühr: 10 Euro oder 10 Dollar. Wer sparen will, sollte Dollar mitnehmen. In den Ferienorten werden meist Euro und Dollar akzeptiert.
– Tagsüber Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor schmieren, abends Mückenmittel – das hilft auch gegen Sandflöhe.
– Touristen zahlen immer mehr als Einheimische. Insbesondere bei Mitbringseln spart Verhandeln viel Geld. Typische Mitbringel sind Rum, Zigarren, Schmuck aus der Schale der Kokusnuss, Bernstein und …
– Der Eindruck vom flach abfallenden Sandstrand kann täuschen. Gelegentlich versperren Korallenriffs den Weg Richtung Meer. Darauf können Seeigel sitzen, deren Stacheln äußerst schmerzhaft sind.
– Die Karibik ist zwar bekannt für Hurrikans. Doch der letzte Wirbelsturm fegte 1998 über die Insel. Die Cordilleren, eine bis auf 3000 Meter ansteigende Gebirgskette, scheint das Inselparadies im Gegensatz zum flachen Florida vor mächtigen Unwettern zu bewahren.
– Dominikaner mögen laute Musik. Ohrstöpsel helfen im Schlaf.
– Deutsche haben unter Hotelbediensteten bereits ihren Ruf weg: Sie hassen Regen. Dass es in der DomRep so oft regnet, dafür können aber die Einheimischen nichts. Wo viel Grün und Früchte wachsen, da regnet es eben auch – angeblich im Schnitt zehn Tage im Monat.
– Das neue Ferienparadies Samana wird jeweils einmal wöchentlich montags von LTU ab Düsseldorf und dienstags von Condor ab Frankfurt (Boing 767) direkt angeflogen. Außerhalb der Hauptsaison (November bis März) lassen sich sogar relativ günstige Preise erzielen. Condor nennt One-Way-Preise ab 165 Euro.
-Wer den erst im August für mehrere Millionen Dollar hergerichteten Strand der Inselhauptstadt Puerto Plata besuchen will, muss sich durch eine Müllhalde kämpfen. Das Meer hat Tonnen von Plastik auf die Sandstrände geschwemmt. Im Tourismusbudget scheint kein Geld zur Beseitigung zu sein.
!!!! ACHTUNG: Angaben sind wahrscheinlich veraltet!!!!!
DomRepTours – Republica Dominicana
Rudi Baumer
San Jose de Ocoa
Calle Alcantara 12
Tel. +1-809-558-2557
Fax. +1-809-890-2332
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